Was muss man vom östlichen
Kriegsschauplätze wissen ?
1. Welche Länder umfasst der östliche Kriegs¬
schauplatz ?
Der östliche Kriegsschauplatz umfasst: Galizien und
Lodomerien samt Grossherzogtum Krakau und die Buko¬
wina in Österreich, ferner die Ukraina, Russisch-Polen,
Litauen, Weissrussland und die Ostseeländer in Russ¬
land.
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2. Welche Völker bewohnen diese Länder?
Diese Länder werden von Ukrainern (Ruthenen),
Polen, Rumänen, Litauern, Letten und Weissrussen be¬
wohnt. Diese Völker werden von den Russen besonders
in nationaler und politischer Hinsicht aufs äusserste un¬
terdrückt und erhoffen von diesem Kriege ihre Befreiung
von dem russischen Joche.
3. Welche sind die wichtigsten und grössten Nationen
des östlichen Kriegsschauplatzes?
Die wichtigsten und grössten Nationen des Östlichen
Kriegsschauplatzes sind die Ukrainer (Ruthenen) mit 35
Millionen und die Polen mit 20 Millionen Bevölkerung.
4. Welche sind die politischen Bestrebungen der
Ukrainer?
Die Ukrainer (Ruthenen) sind bestrebt, ihrer Nation
innerhalb der Grenzen Österreichs eine freie Entwicklung
auf kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Gebiete zu
sichern. Das Ideal des ukrainischen Volkes ist eine selbst¬
ständige ukrainische Staatsorganisation zu schaffen und
zwar aus den ukrainischen Ländern, die sich bisher unter
der Herrschaft Russlands befinden. Dieses Ziel wird aber
so verstanden, dass die genannte Staatsorganisation unter
Mitwirkung und Zustimmung beider verbündeten Staaten,
Österreichs und Deutschlands, vor sich gehen könne.
5. Welche sind die politischen Bestrebungen der
Polen ?
Die Polen wollen ihr altes Reich wiederaufbauen, wel¬
ches einst ausser Russisch-Polen auch Posen, West-
preussen, Galizien, Litauen, Weissrussland und den
grössten Teil der Ukraina umfasste. Da aber diese Völker
der polnischen Herrschaft wiederstreben, so suchen die
Polen sie mit allen Mitteln zu polonisieo;en und ihre Selbst¬
ständigkeitsbewegung zu unterdrücken.
6. Welcher Unterschied besteht zwischen einem
Ukrainer und einem Russophilen ?
Ukrainer ist und nennt sich derjenige Ruthene, wel¬
cher sein Volk für eine selbstständige, von den Russen
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und Polen an Sprache, Sitte, Kultur und politischen Be¬
strebungen grundverschiedene Nation hält. Daher sind
alle Ukrainer entschiedene Gegner Russlands und wollen
das russische Joch abschütteln. Die russophilen-Ruthenen,
die nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung bilden,
behaupten im Gegenteil, dass es keine besondere ukrai¬
nische (ruthenische) Nation gebe, sondern dass sie nur
ein Teil der Russen seien. Daher sind sie die ärgsten
Feinde der Ukrainer und Anhänger Russlands. Trotzdem
werden sie bisweilen aus Unwissenheit mit den Ukrainern
verwechselt und im Gegenteile werden vielfach echte
Ukrainern, die grössten Feinde Russlands und öster¬
reichische Patrioten, von gewissenlosen Denunzianten als
russophile Verräter angezeigt!
7. Warum stehen die Ukrainer (Ruthenen) unentwegt
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bei Österreich-Ungarn und Deutschland?
Die Ukrainer (Ruthenen) stehen unentwegt bei Öster¬
reich deswegen, weil sie in einem konstitutionellen Öster¬
reich die Möglichkeit der Entwicklung ihrer Nation, da¬
gegen in Russland den gefährlichsten systematischen
Unterdrücker ihrer Nation sehen.
Nur im Kampfe gegen Russland kann die freie Uk¬
raine entstehen. Die Lösung dieses Problems liegt nicht
blos im Interesse der ukrainischen Nation, sondern
auch im Interesse beider verbündeten Mächte, die in
ihrem gegenwärtigen Bestände von Russland bedroht
werden; zumal eine definitive Schwächung Russlands nur
durch die Absonderung aller ukrainiscchen Länder: am
Dnister, Dnipr, Don, Kuban und am schwarzen Meere
geschehen kann und es klar auf der Hand liegt, dass nur
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eine solche Lostrennung die immensen Opfer, welche die
verbündeten Mächte in diesem Kriege haben, auszu¬
gleichen imstande ist.
8. Wie soll man die Ukrainer in Österreich
behandeln ?
Österreich und Deutschland sollen die Ukrainer in
jeder Weise unterstützen und ihre nationale und poli¬
tische Entwicklung fördern. Man soll mit der ukrainischen
Frage sich vertraut machen und keinen Einflüsterungen
ihrer Feinde, welche zumeist auch Österreich nicht wohl¬
gesinnt sind, Gehör schenken. Nach dem Kriege soll man
die österreichischen Ukrainer von der polnischen Vor¬
herrschaft befreien, sie der Wohltaten einer gerechten
Selbstverwaltung teilhaftig werden lassen und ihnen in
ihrem Gebiete einen gehörigen nationalen Lebensraum
schaffen. Wenn sich die ukrainische Nation frei und voll
entwickelt und die Ukraina von Russland losgerissen
wird, verschwindet die russische Gefahr für Europa auf
Nimmerwiedersehen.
Fritz Ä. Budapest, VIII. Nap-u. 13.